Chauvigny und die Schlacht der Weine

Chauvigny wird im mittelalterlichen Gedicht „Die Schlacht der Weine“ des normannischen Dichters Henri d’Andeli aus dem 13. Jahrhundert erwähnt. Auf die altfranzösischen Auszüge folgt jeweils eine freie Übertragung in Prosa.

Im Gedicht werden die besten Weißweine nach Paris gebracht und König Philipp August, einem begeisterten Weintrinker, vorgestellt.

Qui volentiers moilloit fa pipe Du bon vin qui eftoit du blanc. Il le fenti gentil & franc, Si le clamoit fon ameor. Por le bien & por la douçor Que li vins avoit dedenz foi, Li rois en but fanz avoir foi.

Gern trank er den guten Weißwein, fand ihn edel und ehrlich und bekannte seine Liebe zu ihm. Wegen seiner Güte und Süße trank er sogar ohne Durst.

Ein englischer Priester beurteilt die Weine. Die verbleibenden Kandidaten streiten darum, ihre Rivalen zu übertreffen.

Die Weine des Berry treten gegen jene der Île-de-France an, mit Chauvigny an der Spitze.

Chauveni, Montrichart, Laçoy, Chaftel Raoul & Befançoi, Monmorillon & Yfoudun Furent devant le roi tôt un Por abatre le bobançois De treftos nos bons vins françois.

Chauvigny, Montrichard, Lassay, Châteauroux, Buzançais, Montmorillon und Issoudun erscheinen gemeinsam vor dem König, um den Hochmut der französischen Weine herauszufordern.

Die Weine der Île-de-France antworten!

Vin françois bien fe deffendoient
Et cortoifement refpondoient :
« Se vous eftes plus fort de nous,
« Nous fommes fade, favorous ;
« Si ne fefons nule tempefte
« A cuer, n’a corz, n’a oeil, n’a tefte.
« Mès Vermentun, S. Brice, Auçuerre
« Si font les genz gefir au fuerre. »

Die französischen Weine verteidigen sich höflich: Ihr seid vielleicht stärker, doch wir sind mild und schmackhaft. Wir bringen Herz, Körper, Augen und Kopf nicht in Aufruhr; die Weine von Saint-Bris und Auxerre hingegen lassen ihre Trinker im Stroh liegen.

Der Streit tobt.

Qui la veïft vins eftriver, Et chafcun fa force aviver, Et chafcun mener fon defroi Sor la table devant le roi, Ce n’est ore ne plus ne mains Se vin eüffent piez ne mains

Die Weine streiten, jeder zeigt seine Stärke und verteidigt sich auf dem Tisch des Königs. Hätten sie Hände und Füße, hätten sie einander wohl umgebracht.

Nachdem der König die Rivalen gekostet hat, zeichnet er seine Favoriten aus.

Li rois les bons vins corona Et a chafcun fon non dona. Vin de Cypre fift apoftoile Qui refplendift comme une eftoile ; Dont fift chardonal & légat Du bon gentil vin d’Aquilat ; Puis fift . iij. rois & puis . iij . contes Et puis en dura tant li contes Qu’il en fift . xij . pers en France Ou li rois out moult grant fiance.

Der König krönt die guten Weine und gibt jedem einen Titel. Zypern wird zum Papst, strahlend wie ein Stern, Aquilat zum Kardinal und Legaten. Er ernennt drei Könige, drei Grafen und schließlich zwölf Pairs von Frankreich.

Doch auch wer kein Geld für die prämierten Weine hat, darf sich trösten.

Qui miex ne puet, fi n’a pas tort, Adès o fa vielle fe dort. Soit vin moien, per ou perfone, Prenons tel vin que Diex nous done.

Wer nichts Besseres hat, muss sich nicht schämen. Ob einfacher oder edler Wein: Nehmen wir den Wein, den Gott uns gibt.